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„Die Möglichkeit des Scheiterns darf einen nicht abschrecken“

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In unserer Reihe NORMAPeople berichten unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit von ihrem Arbeitsalltag und darüber, wie sie zum Unternehmen gekommen sind und was sie an ihrer Arbeit schätzen.

Hannes Clasen arbeitet als Research & Development Engineer am Hauptsitz der NORMA Group in Maintal, Deutschland. Im Interview erzählt er von seinem Arbeitsalltag, seinen spannendsten Projekten und seinem schönsten Erlebnis bei der NORMA Group.

Hannes, was gehört zu deinen Aufgaben bei der NORMA Group?

Ich arbeite vorwiegend an der Entwicklung von Komponenten für Thermomanagementsysteme, die in Elektrofahrzeugen zum Einsatz kommen. Mein Aufgabenspektrum reicht dabei von der ersten Idee bis hin zum serienreifen Produkt. Einer meiner Tätigkeitsschwerpunkt liegt unter anderem in der Druckverlustoptimierung der einzelnen Komponenten. Druckverlustoptimierte Komponenten in Thermomanagementsystemen tragen dazu bei, dass durch ihre Nutzung der Energieverbrauch des Fahrzeuges gesenkt wird. Die Fahrzeuge werden somit energieeffizienter.

Wie das?

Elektroautos haben eine Batterie, die in einem bestimmten Temperaturbereich gehalten werden muss – wird sie zu kalt, hat sie eine geringere Leistung, wird sie zu warm, altert sie schneller. Um dem entgegenzuwirken gibt es das Thermomanagementsystem, bestehend aus vielen Rohrleitungen, die durch das Auto laufen. Dieses versorgt die Batterie je nach Bedarf mit kalter oder warmer Flüssigkeit, die wiederum durch das komplexe System gepumpt werden muss.

Je höher der Druckverlust des Systems ist, also je mehr Widerstand das System gegen die Flüssigkeit leistet, desto mehr Energie wird benötigt, um das Fluid durch die Rohre zu pumpen. Da die Energie für das Pumpsystem der Fahrbatterie entzogen wird, bedeutet ein verringerter Druckverlust eine vergrößerte Reichweite des Fahrzeugs.

Was gefällt dir an deinem Arbeitsalltag am besten?

Ich bin bei der Produktentwicklung von Anfang an dabei und erlebe jeden einzelnen Schritt mit. Es ist unglaublich spannend zu sehen, was aus einer simplen Idee entstehen kann. Zudem gefällt mir der tägliche Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen auf der ganzen Welt. Diese Zusammenarbeit in einem internationalen Umfeld gefällt mir am besten und gestaltet den Arbeitsalltag abwechslungsreich.

Bei der Produktentwicklung ist Frustrationsresistenz wichtig. Als Faustformel gilt: Von 100 Ideen sind zehn gut. Und davon ist dann eine kommerziell erfolgreich. Doch auch aus den gescheiterten Projekten lernt man. Und es kommen immer wieder neue interessante Projekte, das gestaltet meine Arbeit spannend. Das mögliche Scheitern darf einen nicht abschrecken.

Wie läuft der Prozess der Produktenwicklung ab?

Als ich angefangen habe bei der NORMA Group zu arbeiten, hatte ich ein wichtiges Gespräch mit dem Global Product Manager für Elektromobilität. Seine Aufgabe ist es, die Marschrichtung vorzugeben, dafür hat er mir die Zielrichtung der Produktentwicklung erklärt. Dabei sind neben der Druckverlustoptimierung, die Themen Kosten, Gewicht- und Bauraumoptimierung, wie auch die Materialauswahl wichtige Punkte. Unter Beachtung dieser Punkte entwickeln wir neue Produkte.

Das Thema der Druckverlustoptimierung lässt sich effizient mit Simulationen angehen, deshalb ist die Zusammenarbeit mit unserer Simulationsabteilung entscheidend bei der Beurteilung neuer Ideen zu diesem Thema. Ergeben die Simulationsergebnisse, dass die Idee ein möglicher Weg ist, um den Druckverlust zu senken, wendet man sich an die jeweiligen Produktexperten. Gemeinsam überprüfen wir, ob die Idee umsetzbar ist. Trifft dies zu, wird die Produktidee weiterentwickelt, um sie dann letztendlich in die Marktreife zu bringen. Zusammenarbeit ist somit essenziell. Für die Produktenwicklung sind verschiedene Kompetenzen nötig, von der Simulation, über Prozessexperten, bis hin zu den Produktexperten. Und im Anschluss natürlich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Werken weltweit, um mit den dortigen Ressourcen das Projekt in die Realität umzusetzen.

Es gibt einige Formalien, die bei solchen Projekten berücksichtigt werden müssen – nicht jeder kann einfach so anfangen, etwas zu entwickeln. Wir müssen sicherstellen, dass die Produktidee in unser Portfolio und in unsere Strategie passt und, dass es eine Chance gibt, dass das Produkt kommerziell erfolgreich ist. Denn die Entwicklungsprojekte sind kostenintensiv – in jedem Produkt stecken viel Geld, Ressourcen und Zeit. Daher durchlaufen die Entwicklungsprojekte einen Stage-Gate-Prozess: Das Projekt wird in verschiedene Phasen unterteilt. Am Ende einer jeden Phase steht die Review. Dabei wird das Steering-Komitee, bestehend aus Mitgliedern des Managements, eingeladen. Diese entscheiden dann über die Fortführung eines Projekts.

Was war das spannendste Projekt, an dem du beteiligt warst?

Eines meiner bisher spannendsten Projekte ist das NORMA Face Shield, ein Gesichtsvisier, das wir Anfang der Corona-Pandemie entwickelten. Damals waren Gesichtsbedeckungen knapp und wir wollten als Unternehmen einen Beitrag leisten, um das zu ändern. Lediglich vier Wochen hat es von der ersten Idee bis zur Produktion gedauert – inklusive klinischer Tests an einer Universitätsklinik. In der Entwicklungsphase haben wir auf Praxistests und schrittweise Verbesserungen gesetzt: Wir haben dem medizinischen Personal 3D-Druck-Modelle der NORMA Face Shields vorgestellt und das Feedback noch am selben Tag genutzt, um unsere Modelle zu optimieren. Diese wurden über Nacht gedruckt und am darauffolgenden Tag hat der Kunde das verbesserte Modell erhalten. In der nächsten Phase haben die Abteilungen der NORMA Group, Produktentwicklung, Rohstoffeinkauf, Marketing, Vertrieb und Unternehmenskommunikation perfekt zusammengearbeitet, um all die Notwendigkeiten für die Serienproduktion zu organisieren. Ohne den Rückhalt aus dem Management-Team der NORMA Group wäre dies so nicht möglich gewesen.

Was war dein schönstes Erlebnis bei der NORMA Group?

Mein bisher schönstes Erlebnis bei der NORMA Group, war mein Bubble Assignment in Qingdao in China. China ist ein faszinierendes Land mit gastfreundlichen Menschen, sehr gutem Essen und einer Kultur, die sich von der unseren unterscheidet. Besonders beeindruckt hat mich die „Hands on“-Mentalität der chinesischen Kolleginnen und Kollegen, sowie die Geschwindigkeit, mit der dort Projekte umgesetzt werden. Ein Beispiel: An einem Donnerstag war ich in der Werkskantine essen. Am darauffolgenden Montag war die Kantine in einen anderen Raum verlegt und in den Räumlichkeiten der ehemaligen Kantine war ein betriebsbereites Prüflabor eingerichtet worden.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Während der Corona-Pandemie haben sich meine Hobbys verändert. Im Lockdown bin ich gerne wandern gegangen – ein toller Ausgleich zum mobilen Arbeiten. Außerdem fliege ich in meiner Freizeit sogenannte First-Person-View (FPV)-Drohnen. Dabei wird das Livebild der Drohne auf eine FPV-Kamerabrille übertragen – ich erlebe den Flug aus der Perspektive der Drohne. Im vergangenen Winter habe ich mir außerdem ein Aquarium gekauft, in dem ich Schmetterlingsbuntbarsche züchte.

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Worauf freuest du dich jeden Morgen?

Auf eine Tasse guten, heißen Kaffee.

Welche Ziele möchtest du in der Zukunft erreichen?

Wenn wir in unseren Leitungssystemen den Druckverlust optimieren, können Elektroautos effizienter betrieben werden. Durch die Entwicklung dieser Produkte kann ich und kann die NORMA Group einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Mein Ziel ist es, dass sich die von mir mitentwickelten Produkte erfolgreich am Markt durchsetzen, gleichzeitig zum wirtschaftlichen Erfolg der NORMA Group beitragen und das Klima schützen.